Judith I



Auch hier finden wir das gleiche Motiv wieder. Die schwarzhaarige Frau, die für Ägypten steht, ist diesmal zur Hälfte unbekleidet. Der obere Teil des Hintergrundes hat die Farben Gold, das die Sonne und den Lebensbaum symbolisiert, und die Farbe Schwarz für das alte Ägypten. Die grüne Farbe am linken unteren Bildrand ist ein Symbol für die Erde. Der goldene Halsschmuck repräsentiert die Sonne, die Ägypten umschließt und ihm das ewige Leben bringt. Der Halsschmuck hat hier die Form eines breiten Goldreifens, der das sich immer wieder erneuernde Leben darstellt. Der schwarze, leicht durchsichtige Schleier auf der rechten und linken Schulter der Frau weist mit seiner Farbe wieder auf Ägypten hin.

Die goldene Schlangenlinie mit den mäanderförmigen Bögen und den goldenen und schwarzen Zwischenfeldern stellt den Lauf der Sonne dar. Sie läuft zunächst nach links aus der Figur hinaus, womit das Sterben der Sonne angedeutet wird. Anschließend läuft die Schlangenlinie unsichtbar hinter der Figur zum rechten Bildrand, was die Wanderung der Sonne während der Nacht durch das Totenreich anzeigt. Zuletzt nähert sich die Schlangenlinie von rechts wieder kurz der Figur, womit die Wiedergeburt der Sonne bildlich dargestellt wird.

Die blumenartigen goldfarben-schwarzen Kreise auf der linken Seite des Schleiers stellen ebenfalls den Lauf der Sonne dar. Die Sonne ist der goldene Kreis in der Mitte der Blume. Um sie herum sind drei weitere Sonnen angeordnet, die einmal durch schwarze und einmal durch goldene Kreise angedeutet sind und die den Zyklus von Leben, Sterben und Wiedergeburt repräsentieren. Wir haben damit eine weitere Form der Darstellung entdeckt, wie Gustav Klimt das ewige Leben der Sonne (goldene Kreise) und des alten Ägypten (schwarze Kreise) ausgedrückt hat.