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Charles Baudelaire war Katholik, Platoniker und Moralist. Er machte dass sich das verträgt. Die platonische Philosophie geht davon aus, dass alles in der Schöpfung als ideale Vorlagen vorgelegen hat. Unsere Wirklichkeit entsteht daraus als eine Art Xerox-Kopien die im Laufe der Zeit immer schlechter werden. Irgendwann werden sie unkenntlich, das ist dann das katastrophale Ende der Welt. Die platonische Lehre legt nahe, dass eine konservative Haltung den Untergang nicht abwenden, wohl aber verzögern könne. Sehr viele Menschen teilen diese pessimistische Prognose.
Der grosse Philosoph Karl Popper schrieb gegen jede Prognostik im Allgemeinen und gegen jene von Plato und Marx im Besonderen in seinem Hauptwerk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“. Das Hauptargument: „Keiner kann heute wissen was er morgen wissen kann und wird“.
Die Romantik fand einen Ausweg: Der Künstler ist gottähnlich erschaffen und ist in der Lage den Weltbestand an Idealen zu mehren. Der Dichter Hölderlin hatte in diesem Zusammenhang die Zuversicht: „Was bleibet aber, stiften die Dichter“. Bei Nietzsche kommt die Frage zum Vorschein, ob auch Wissenschaft und Technik demiurgische Fähigkeiten haben. Die westliche Welt ist mehrheitlich dieser Meinung.
Baudelaire sieht sich als Dichter in der gottgegebenen Verantwortung sich dem Verfall entgegenzustemmen und dazu Himmel und Hölle zu beschwören. Das ist Goethes Faust, Dantes Divina Comedia und den Werken von Goya nicht unähnlich. In diesem Sinne retten die Aussagen und die Schönheit der Sprache die Welt. Baudelaire hat dafür wie ein Bergwerker geschuftet. Das Resultat ist auch heute noch makellos.
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